Suspensurziegel für die villa urbana

Für die Rekonstruktion der villa urbana wurden große Suspensurziegel (60x60x8 cm, massiv) benötigt, sie sind ein wesentlicher Bestandteil der römischen Fußbodenheizung. Die Suspensurziegel werden auf kleinen Ziegelstapel ca. 90 cm. hoch vermauert und bilden einen hohlen Fußboden, auf welchen ein Estrich gegossen wird (Abb. 1). Dieser Fußboden besitzt eine oder mehrere zentrale Feuerungsstellen, die warme Luft und der Rauch ziehen durch den hohlen Fußboden durch und erwärmen ihn. Am anderen Ende des Raumes sind hohle Wandziegel vermauert, welche den verbleibenden Rauch über entsprechende Öffnungen im Dach nach außen leiten. Die Wohnräume sind somit absolut rauchfrei, die Abgastemperatur lag bei Versuchen in Haus II (Haus des Tuchhändlers Lucius) bei nur 40°C, was auf eine effiziente Wärmeausbeute schließen lässt. Die Ziegel selbst haben drei Funktionen: zunächst tragen sie das Gewicht des Estrichs und schützen ihn zugleich vor der enormen Hitze des Feuers, welche ihn langfristig beschädigen würde. Drittens speichern die dicken Suspensurziegel die Wärme sehr lange. Bei Versuchen konnte die Wärme sogar vier Tage ohne Nachheizen gehalten werden (Überfeuerung!). Als Brennintervall reicht eine Befeuerung pro Tag, an besonders kalten Tagen muss 2x nachgeheizt werden. Auch 2008 wurde die Fußbodenheizung vom Haus des Tuchhändlers Lucius (Haus II) bei Veranstaltungen an besonders kalten Tagen angeheizt.

Für die villa urbana, die über mehrere beheizte Räume verfügt, wurden ca. 350 Ziegel benötigt, welche von Jänner bis November 2007 geformt, getrocknet und abschließend gebrannt wurden. Eine Werkstatt mit ca. 200 m² wurde angemietet da dies den Rahmen einer kleinen Töpferei gesprengt hätte. Nach den Erfahrungen bei Haus II sind schon recht brauchbare Techniken entwickelt worden, welche diese hohe Stückzahlen gewährleisten sollten. Trotzdem musste ein gewisser Schwund (Trocknungsrisse, Fehlbrände..) einkalkuliert werden, so das eine Stückzahl von min. 400 Suspensurziegel erreicht wurde. Der Ton kam aus einer Zieglerei bei Pinkafeld, insgesamt wurden 40 Tonnen angeliefert (Abb. 2). Als Magerungsmittel diente feiner Sand (0,4mm Körnung), welcher ca. 25% des fertigen Gemenges ausmacht. Zusätzlich wurde gehächseltes Stroh untergemischt, welches den Ziegeln mehr Stabilität beim Trocknen gab. In einen Zwangsmischer (Abb. 3) wurde die Masse ca. 30 Minuten unter Zugabe von ca. 15-20 l Wasser homogenisiert.
Anschießend wurden die Brocken per Hand in große Formen geschleudert (Abb. 4). Diese wurden vorher leicht besandet, damit der Ziegel nicht am Untergrund festklebt. Das Ganze wurde mit Füßen (ca. 150 Schritte pro Ziegel) fest zusammen gestampft (Abb. 5) und anschließend abgezogen. Die Oberfläche wurde mit einem feuchten Schwamm abgewischt. Nach mehreren Tagen war die feuchte Platte ausreichend getrocknet, um die Rahmen zu entfernen. Die noch immer relativ weichen Ziegel wurden auf leichte Paletten gewendet, damit Luft den Ziegel gleichmäßig von allen Seiten umströmt. Die Paletten mit den Ziegeln wurden mit einem eigens gebauten Kran im Lager gestapelt, wo sie im Laufe von Monaten langsam trockneten. Gerade die Trocknungsphase ist die heikelste bei den Ziegeln: Das Lager muss beheizt werden, da Frost die feuchten Ziegel sprengen würde. Dennoch müssen sie mit Plastik eingepackt werden, da ein zu schnelles Austrocknen zu unschönen Rissen bis hin zu zerborstenen Ziegeln führen würde.

Pro Tag wurden bis zu 1100 kg Ton verarbeitet. Im August 2007 wurde nahe der Werkstatt ein Brennofen mit ca. 4-5 m³ Brennvolumen errichtet, pro Befeuerung wurden ca. 50 Suspensurziegel bei 1000°C gebrannt. Da die Befeuerung eines so großen Brennofens sehr langsam von sich gehen muss, wurde mit einer Brennzeit von ca. 1 Woche pro Brand gerechnet, alleine das Brennen der Ziegel nahm in Summe also ca. 2 Monate in Anspruch. Da das Feuer nur sehr langsam gesteigert werden konnte, war eine 24stündige Anwesenheit und Betreuung erforderlich. Im Winter 2007/2008 wurden die Ziegel schließlich verbaut.

Projektleitung: R. Reithofer und S. Heinrich