Seit 2007 finden im Amphitheater I, das im Bereich der Carnuntiner canabae (‚Militärstadt‘) liegt, systematische Untersuchungen statt, die folgende Zielsetzungen verfolgen:
Über archäologische Untersuchungen, werden neue Datierungsansätze für das Bauwerk angestrebt, zudem sollen die bisherigen Rekonstruktionsvorschläge, die mittlerweile 60 Jahre alt sind, kritisch überprüft werden. Aufschlüsse zur späten Randbebauung sollen zudem das Bild von Siedlungsaktivitäten am Rand des Amphitheaters verdichten.
Dazu wurden bislang die Bereiche des Nemesis- Heiligtums am Westtor, das Osttor, sowie eine breit angelegte Grabungsfläche im Südosten des Großbauwerks ergraben (Bild 1).
Grundriß
Im Zuge der Untersuchungen wurde seit dem vorigen Jahr damit begonnen, einen neuen Grundriß des Theaters anzufertigen. Dieser wird sowohl als Grundlage für die Zusammenarbeit mit der Agentur 7reasons dienen, die derzeit an der virtuellen Rekonstruktion des gesamten Carnuntiner Stadt arbeitet, als auch Kartierungsarbeiten im Vorfeld ins Auge gefaßter Sanierungsmaßnahmen bilden.
Technisch steht uns durch unseren starken Partner, der niederösterreichischen Landesvermessung ein besonders leistungsfähiges Instrument zur Verfügung: Der Laserscanner. Durch die aus diesem Verfahren gewonnenen Schnitte können Idealschnittlinien angenähert werden, die später ein Maximum an Aussagekraft ermöglichen (Bild 2).
Für die archäologische Bauforschung freilich bildet ein verformungsgetreuer Grundriß erst die methodische Grundlage, die dann in einem weiteren Schritt eine Ableitung der Bauphasen erst möglich macht. Der Grundriß, sowie die gesamte Bauforschung werden in Zusammenarbeit mit dem Bamberger Büro Memvier erarbeitet.
Die Grabungen
Phase I: Nach einer ersten Auswertung der Grabungen läßt sich ein Vorgängerbau des Amphitheaters, die aus Holz konstruiert war, fassen – gegenwärtig kann seine Errichtung kurz vor dem ersten Jahrhundert n. Chr. postuliert werden. Aus dieser Phase haben sich keine baulichen Reste erhalten, wohl aber die Pfostengruben, in welche die mächtigen Stämme, welche die cavea (Zuschauertribünen) trugen. Im Bild sind diese gut zu erkennen. (Bild 3)
Phase II: Die zweite Bauphase fällt vermutlich an den Beginn der Flavierherrschaft. Im letzten Viertel des ersten Jh. n. Chr. wurde der Holzbau demoliert und Steinfundamente für die Umfassungsmauern gelegt. (Bild 3 neben den Löchern)
Phase III: In dieser Phase, die im letzten Drittel des zweiten Jahrhunderts anzusetzen ist, kommt es zu einer aus dem aufgehenden Baubefund gut ablesbaren Erhöhung der cavea, die nun deutlich mehr Besucher aufnehmen konnte, als zuvor.
Phase IV: Im ausgehenden dritten Jahrhundert wird das mittlerweile gealterte Großbauwerk einer gründlichen Renovation unterzogen. Viele der großen, noch heute in der Arena und im Osttor sichtbaren Steinblöcke stammen aus dieser Phase. (Bild 4)
Die Feldforschungen werden auch in diesem Jahr fortgesetzt, so wird der Sand, der einen nahezu authentischen Spielbetrieb im Rahmen der Gladiatoria Carnuntina erlaubt, abgeschoben und das darunter liegende Becken untersucht, außerdem sind Grabungen am Westtor des Amphitheaters vorgesehen. Die an der Südostfläche begonnen Schnitte sollen ebenfalls zu einem Abschluß gebracht werden.
Grabungsleitung: Dimitrios Boulasikis