Die Archäobotanik http://www.univie.ac.at/vias/ beschäftigt sich mit pflanzlichen Resten, die bei archäologischen Grabungen geborgen werden. Nun sind jedoch Pflanzen und Pflanzenprodukte vergänglich, egal ob es sich dabei um Bau- oder Werkstoffe, Textilien, Lebensmittelvorräte oder Speisen handelt. Über die Jahrtausende bleibt deshalb nur erhalten, was durch besondere Umstände vor Fraß oder Verfall bewahrt wurde. Aus der Zivilstadt von Carnuntum kennen wir zwei grundlegend verschiedene Erhaltungsformen: Verkohlung und Mineralisation. Verkohlte Pflanzenreste entstehen durch Kontakt mit Feuer; zur Mineralisation kommt es in kalk- und phosphatreichen Milieus, wie sie beispielsweise in Latrinen herrschen können.
Bei der archäobotanischen Untersuchung der Kanäle im Bereich der Weststraße hat sich gezeigt, dass alle Kanäle sowohl verkohlte als auch mineralisierte Pflanzenreste enthalten, die Abwasserkanäle allerdings in höherer Dichte als die Frischwasserkanäle. Das Pflanzenspektrum teilt sich in zwei große Gruppen: Grundnahrungsmittel wie Getreide und Hülsenfrüchtler (Abb. 1 - 2) sowie Erntebegleiter überwiegen bei den verkohlten Pflanzenresten, während bei den mineralisierten Obst vorherrscht. Dabei konnten sowohl einheimische Arten als auch solche, die wahrscheinlich mit den Römern nach Pannonien gelangten, nachgewiesen werden: Apfel, Birne, Erdbeere, Holunder, Weintraube, Feige und Maulbeere (Abb. 3 - 4). Bei den Grundnahrungsmitteln dominieren Hart- und Saat-Weizen und aus verschiedenen schriftlichen Quellen wissen wir, dass daraus Grieß und Graupen, bzw. unterschiedliche Brote hergestellt wurden. Gerste tritt wesentlich seltener auf als Weizen und wurde hauptsächlich in der Bierbrauerei oder als Futtermittel genutzt. Die Hülsenfrüchtler, die in der römischen Küche anderer Regionen eine bedeutende Rolle spielen, sind in Carnuntum bisher nur durch Linsen vertreten.
Ursula Thanheiser