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Die Weststraße - Funde aus Keramik, Glas, ...

Bei den Ausgrabungen wurde sehr viel aussagekräftiger antiker Siedlungsabfall aufgefunden, der nähere Aufschlüsse über angesiedelte Betriebe und alltägliche Lebensgewohnheiten wie u.a. Nahrung, Tierhaltung, Speise- und Schlachtgewohnheiten, Keramikbedarf, Gesundheitszustand und Hygiene in diesem Wohnstadtviertel zulässt. In den aufgedeckten Straßenunterbauten der Weststraße wurde besonders im zeitlich früheren Abwasserkanal und im später errichteten größeren Abwasserkanal umfangreicher und sehr gut erhaltener privater und gewerblicher Müll geborgen. Ebenso war in den massiven Planierungen für die Straßenoberfläche viel kleinteiliges, oft mehrmals umgelagertes Siedlungsmaterial enthalten. Die außergewöhnliche Fundsituation in den beiden Abwasserkanälen macht eine umfassende Auswertung des gesamten Fundmaterials Gefäß- und Baukeramik, Glas, Bein, Metall sowie botanische, zoologische und anthropologische Reste – möglich.

Fundgegenstände aus Keramik, Glas, Bein und Metall

Das im früheren Abwasserkanal geborgene Fundmaterial setzt sich vor allem aus privatem Siedlungsabfall u.a. aus einer großen Zahl zerbrochener Keramikgefäße und Speiseabfälle wie botanischer Reste und Tierknochen mit Schnittspuren aus den umliegenden Wohneinheiten zusammen (Abb. 1). Anhand der Fundvergesellschaftung von Münzen und Gefäßkeramik kann die Aufgabe des Abwasserkanals ins dritte Viertel des 2. Jahrhunderts datiert werden. Bei der Gefäßkeramik kommen viele fragmentierte Ganzformen von lokal hergestellten Krügen, Kannen und untergeordnet Tafel- und Kochgeschirr wie Töpfe, Teller und Schüsseln vor (Abb. 2). In beachtlicher Zahl treten auch ganz erhaltene große ovale Nachttöpfe auf. Einen überaus geringen Anteil nehmen Fragmente von importierten Tafelgeschirr und Transportgefäßen ein. Darüber hinaus sind Haar- und Nähnadeln aus Bein sowie einige Metallfunde wie Schuhnägel, Fibelteile und Buntmetallbeschläge enthalten.

In dem in severischer Zeit erbauten Abwasserkanal unter der Weststraße fand man vorwiegend Hausrat von den umliegenden Wohnbauten, Utensilien vom Thermenbetrieb und untergeordnet gewerblichen Abfall von den ansässigen metall- und lebensmittelverarbeitenden Betrieben. Die Datierung der Kanalverfüllung lässt sich anhand der Münzen und Gefäßkeramik vorerst ins achte Jahrzehnt des dritten Jahrhunderts ansetzen. Enthalten sind viele Münzen, gut erhaltene Keramikgefäße, zahlreiche Speiseabfälle wie Tierknochen mit Schnitt- und Brandspuren, Schneckenschalen und botanische Reste. Aber auch Überreste von menschlichen Skeletten und Parasiteneiern konnten festgestellt werden. Darüber hinaus wurde reichlich importiertes Tafelgeschirr wie Terra Sigillata und Feinware aufgefunden. Die ausschließlich lokal hergestellte Gebrauchskeramik weist ein vielseitiges Formenspektrum von Tafel- und Kochgeschirr, u.a. Krüge, Kannen, Töpfe, Teller, Deckel, Schalen und Schüsseln, auf. In dem Fließkanal ist ein Großteil der Gefäße nur mehr bruchstückhaft und vereinzelt in Ganzformen vorhanden. Der Verwendungszweck der Gefäße lässt vorwiegend auf Hausrat schließen, wobei das Mengenverhältnis von Tafel- und Kochgeschirr ausgewogen ist. Einen wesentlichen Anteil des Fundmaterials nimmt die Baukeramik, vor allem Dachziegel und wenige Boden- und Wandziegel, ein. Einige Gussbecher und Halbfabrikate lassen auf metallverarbeitende Betriebe schließen. Ebenso sind Glasschalen und Flaschen enthalten. Darüber hinaus wurden vom Thermenbetrieb Toilettenartikel (Haarnadeln und Kämme aus Bein), Schmuck (Ohrringe, Fingerringe), Spiele (Spielsteine, Würfel), Beleuchtungskörper (Öllampen) und Gefäße für ätherische Öle gefunden (Abb. 3 - 4).

 

Projektleitung: Silvia Radbauer