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Die Weststraße - Menschliche Skelettreste

Bei den archäologischen Ausgrabungen in der römischen Zivilstadt von Carnuntum wurden Skelettreste von mehreren Kleinstkindern (Abb. 1), sowie wenige Reste von Erwachsenen geborgen. Die Skelettreste stammen aus dem Abwasserkanal K14 in der Nähe der Therme, wo sie gemeinsam mit einer großen Menge Tierknochen abgelagert waren. Dieser Abflusskanal wurde gegen Ende des 3. Jahrhunderts n. Chr. mit sandigem Erdmaterial zugeschwemmt und danach nicht mehr instand gesetzt. Aus der demographischen Verteilung wird sichtbar, dass die Mehrheit der Individuen um den Geburtszeitpunkt herum verstorben sind (Abb. 2). Es handelt sich um eine maximale Anzahl von 31 Individuen, davon 4 Feten und 27 Neugeborene. Von Erwachsenen sind ein Calvarium und eine Calotte, sowie zwei Phalangen der Hand und ein oberer 2. Mahlzahn erhalten geblieben. Makroskopisch konnten an den Neugeborenen keine massiven krankhaften Veränderungen festgestellt werden. Die perinatale Altersverteilung ist auffällig, sie könnte ein Hinweis auf eine Beseitigung ungewollter Kinder im Kanal sein. Ein natürlicher Tod der Neugeborenen kann zwar nicht ausgeschlossen werden, allerdings wäre dann eine flachere Alterskurve zu erwarten. Hinzu kommt, dass die Praxis der Entsorgung ungewollter Kinder aus römischen Schriftquellen dokumentiert ist. Die Neugeborenen von Carnuntum können auch als Parallelbefund zu den vermutlichen Opfern von Kindestötung aus Ashkelon (Israel) und dem römischen England gedeutet werden.

Margit Berner – Doris Pany