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Die Weststraße - Tierische Reste

In den Abwasserkanälen sind an tierischen Resten vorwiegend Speise- und Schlachtabfälle von Rindern, Schweinen, Schafen, Ziegen, Hühnern, Gänsen, Enten, Tauben und Donaufischen enthalten. Die Schnecken wurden zum Verzehr fallweise auch aus entfernteren Gebieten importiert. Die botanischen und tierischen Reste zeigen eine sehr ausgewogene Ernährung an, wobei die Nahrungsmittel in der Regel aus der unmittelbaren Umgebung stammen, aber ebenso sind einige wenige Delikatessen als Importgüter ausgewiesen. Darauf deuten auch die vereinzelten Nachweise von Meeresfischen. Als Besonderheiten unter den Vogelresten wäre ein Knochen vom Pfau aus dem Hauptkanal zu erwähnen. Diese exotischen Ziervögel stammen ursprünglich aus Vorderindien und gelangten erstmals zur Römerzeit nach Mitteleuropa.

Die Hauptmasse des Fundmaterials bilden aber die Reste der Hauptwirtschaftstiere Rind, Schwein, Schaf und Ziege. Die Informationen über das einstige Konsum- und Abfallverhalten können nicht nur aus der Verteilung der Tierarten, sondern vor allem auch aus den Frequenzen der vorhandenen Skelettelemente und der an diesen vorhandenen Marken gezogen werden. Bei Aufschließung, Zerlegung, Zubereitung und Konsum der Schlachtkörper und Tierprodukte entstehen durch den Werkzeugkontakt Schnitt- und Hackspuren, die am Knochen sichtbar bleiben und Rückschlüsse auf die einzelnen Arbeitsschritte erlauben (Abb. 1 - 2). Demnach dürften die Rinderreste in den Kanälen vorwiegend auf die Tätigkeit der lokalen Fleischhauer zurückgehen, weil sich bevorzugt immer wieder die gleichen Skelettelemente aus eher minderwertigen Bereichen (Kopf, Klauen) finden, die offenbar bei der ersten Zerlegung der Tierkörper in großer Menge anfielen. Es könnte sich zum Teil aber auch um gewerblichen Abfall, wie er sich etwa in Gerbereien ansammelt, handeln. Kurze, beiderseits abgehackte Rippenstücke deuten dagegen auf Konsum (Abb. 3). Von den kleineren Haustieren finden sich dagegen vorwiegend Knochen aus fleischtragenden Bereichen, die vielfach feine Schnittspuren aufweisen. Hier handelt es sich um unmittelbaren Speiseabfall, der aus den städtischen Haushalten oder aber aus nahe gelegenen Gastronomiebetrieben stammen dürfte. Auffällig ist, dass vielfach auch sehr junge Schweine und Lämmer oder Kitze verspeist wurden. Diese empfindlichen Reste blieben im geschützten Milieu der Kanäle durch die Jahrhunderte erhalten und vermitteln nun ein unverzerrtes Bild der Fleischküche. Anhand der angesengten Rinderkiefer lassen sich sogar konkrete Zubereitungsmethoden („Rinderflotzmäuler“) rekonstruieren (Abb. 4). Gelegentlich dienten die Strukturen im Unterbau der Weststraße aber auch zur Entsorgung von Heimtierkadavern (Hunde, Katzen), oder es drangen kulturbegleitende Arten wie Ratten und Füchse in das Kanalsystem ein und gingen dort zugrunde.

Günther Karl Kunst