In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts rückte die antike Stadt Carnuntum in den Blickpunkt der wissenschaftlichen Forschung. Zahlreiche Grabungsprojekte brachten sensationelle Funde zu Tage. Sehr schnell war klar, dass für die Auswertung und Präsentation der Zeugnisse der römischen Vergangenheit ein geeigneter Rahmen geschaffen werden musste.
Auf Initiative der im Jahr 1885 gegründeten Gesellschaft der Freunde Carnuntums wurden die Architekten Friedrich Ohmann und August Kirstein mit der Planung eines Museums für die „…Fundobjecte aus dem Gebiete von Carnuntum und Umgebung…“ beauftragt. Finanziert wurde der Bau ausschließlich aus Spenden der Mitglieder der Gesellschaft der Freunde Carnuntums.
Das Gebäude wurde in starker architektonischer Anlehnung an eine römische Villa erbaut. Am 27. Mai 1904 war es dann soweit – das Museum Carnuntinum wurde durch Kaiser Franz Joseph persönlich eröffnet. Damit war es möglich, die damals auf mehrere Privatsammlungen aufgeteilten Funde unter einem Dach zu zeigen.
Heute ist das Museum Carnuntinum das Schatzhaus des Archäologischen Parks Carnuntum und verfügt über die bedeutendste Sammlung zum römischen Carnuntum. Ausstellungen zeigen die Kostbarkeiten aus über 400 Jahren römischer Siedlungstätigkeit im Raum Carnuntum. Darüber hinaus ist das Museum Carnuntinum auch ein Zentrum der wissenschaftlichen Forschung. Laufende Forschungsprojekte bringen neueste Erkenntnisse zum Leben im antiken Carnuntum, die ausreichend Inhalte für zukünftige Ausstellungen liefern.
Aktuelle Ausstellung
Götterbilder - Menschenbilder
Die Religion der Römer kannte eine Vielzahl an Göttinnen und Göttern. Diese haben ihren Ursprung in verschiedenen kulturellen Traditionen und sind in ihrer Vielfalt ein Abbild von mehr als 1000 Jahren römischer Kulturgeschichte.
Zu den alten italischen traten die klassischen griechischen Götter, die unter lateinischem Namen zum fixen Bestandteil des römischen Pantheons wurden. Mit den Götterfiguren übernahm man auch die Mythologie, also die Geschichten, die sich um diese Gestalten und ihre Beziehungen untereinander rankten. Durch die Ausweitung des Römischen Imperiums kam es zur Aufnahme weiterer Gottheiten aus verschiedenen Regionen Europas, Afrikas und Vorderasiens. Zusammen bildeten sie eine vielfältige und je nach Region flexible Gemeinschaft, die alle Belange der realen Welt abdeckte.
Im antiken Götterhimmel spiegeln sich die Nöte und Ängste, aber auch die Organisationsformen und Lösungsstrategien der damaligen Gesellschaft. Die alten Göttinnen und Götter führen uns in eine fiktive Gegenwelt ihrer Zeit, und damit auf direktem Weg zu den Menschen, die sie geschaffen haben.
Bestimmendes Element der Ausstellung ist die nachempfundene Mithrashöhle im Erdgeschoß. Um sie herum wurde das architektonische Konzept des Museums entworfen. In ihr ist das 1894 gefundene Mithraskultbild aufgestellt. Es ist das größte von insgesamt 6 Mithräen, die in Carnuntum gefunden wurden. Zentrale Szene jedes Mithraskultbildes ist die Stiertötung durch den Gott Mithras. Ursprünglich zeichneten sich die Mithraskultbilder durch eine prächtige Farbigkeit aus.
Aus konservatorischen Gründen ist eine direkte Farbaufbringung auf dem Relief nicht möglich. Aus diesem Grund wird mit Hilfe von Projektionstechnik und Effektstrahlern versucht, einerseits die antike Farbigkeit des Kultbildes zu zeigen, andererseits auch den Eindruck einer Kulthöhle zu vermitteln. Die Mithrashöhlen wurden auch in der Antike durch besondere Lichteffekte inszeniert. Für die Erstellung der Projektionsvorlage waren mehrere Arbeitsschritte erforderlich. Mittels Laser-Scan Abtastung wurde ein millimetergenaues 3D-Modell erstellt, das wiederum die Grundlage für ein Animationsprogramm war, das jeden Lichtpunkt für die Projektion passgenau berechnete.
Das Museum besitzt heute eine reichhaltige Sammlung an Objekten, die mit der Ausübung von Kulten in Zusammenhang stehen. Allein von den fast 2.000 Steindenkmälern der Sammlung ist mehr als ein Viertel dem sakralen Bereich zuzuweisen. So kann mit dieser Ausstellung zumindest ein kleiner Teil der noch nicht wissenschaftlich aufgearbeiteten Sammlung an Kleinfunden des Museums bearbeitet und gezeigt werden. Und auch viele bislang noch „verborgene“ Schätze in- und ausländischer Museen können hier nun erstmals in thematischem Zusammenhang gezeigt werden und in einzelnen Punkten entscheidende Ergänzungen zu dem in Carnuntum vorhandenen Material bringen.
Badgasse 40-46, 2405 Bad Deutsch-Altenburg
Informationen unter der Tel. +43 2163 33770 oder per Email.

