Internationales Kolloquium des Archäologischen Parks Carnuntum und der Gesellschaft der Freunde Carnuntums
17. - 18. September 2009, Kulturfabrik Hainburg
Die Rekonstruktion einer römischen Therme in der Zivilstadt Carnuntum
In den Jahren 2005 - 2007 fanden im Bereich des Freilichtmuseums Petronell Nachgrabungen in der bereits zwischen 1951 und 1956 freigelegten, so genannten „Zivilstadttherme“ statt. Diese neuen Arbeiten im Rahmen des Projektes „Carnuntum 2011“ erbrachten als Ergebnis eine fundierte Einordnung des Baus in die stadtbaugeschichtliche Entwicklung der Zivilstadt von Carnuntum. Daneben ermöglichten die erzielten Resultate auch eine funktionale Interpretation der einzelnen Raumgruppen des großen Komplexes. Daher wurde nach intensiver internationaler interdisziplinärer Diskussion (Archäologie, Bauforschung, Architektur, Denkmalschutz, Restaurierung) der Beschluss gefasst, diese Therme auf Grund des archäologischen Grabungsbefundes und der Ergebnisse der Auswertung des Fundmaterials als modellhafte Rekonstruktion im Maßstab M 1:1 wiederzuerrichten.
Auf Basis der archäologischen Befunde wurden von Architekten, Bauforschern, Denkmalschützern und Archäologen die möglichen „Darstellungszustände“ der Befunde erörtert und diskutiert. Als Ergebnis dieser jahrelangen Diskussionen konnte von Architekt Univ.Doz. Dipl.Ing. Dr. Karl Friedrich Gollmann diese Therme rekonstruiert werden. In weiterer Folge kreierte die Agentur Livin´Past aufgrund dieser Rekonstruktion eine „virtuelle Therme“.
Damit war die weitere Vorgangsweise insofern klar, als im Sinne des Archäologischen Parks Carnuntum eine - auf der Basis wissenschaftlicher Grundlagenforschung beruhenden Projektaussage – klare Vorgabe zur entsprechenden denkmalschutzrechtlichen Umsetzung der Grabungsergebnisse ausgeführt werden konnte.
Die öffentliche Therme soll ab dem Jahr 2011 sowohl voll funktionsfähig sein (also auch Heiz- und Wassertechnik - rekonstruiert auf Grund des archäologischen Befundes), als auch ein archäologisches Experimentierfeld bleiben. Es ist nicht daran gedacht, diese „Schautherme“ für die Besucher als Bad zugänglich zu machen.
Die aktuellen Grabungsergebnisse und Schlussfolgerungen der Grabung „Therme“ samt der vorgeschlagenen Rekonstruktion sollen im Rahmen dieses Kolloquiums in einem größeren internationalen Zusammenhang im Bereich der wissenschaftlichen Thermenforschung diskutiert werden.