Im Jahr 2006 wurde weltweit erstmalig ein römisches Bürgerhaus in der Bautechnik der alten Römer am Originalstandort wieder errichtet und gibt seitdem einen lebendigen Eindruck in die Lebenskultur der Carnuntiner Bürger. Das Haus des Tuchhändlers Lucius erhielt seinen Namen nach einem Inschriftenstein, welcher im Garten des Hauses bei den Ausgrabungen gefunden wurde. Er belegt einen Lucius Maticeius Clemens als wahrscheinlichen Hausbesitzer, der von Beruf her möglicherweise Tuchhändler gewesen sein könnte. Dafür spricht vor allem die als Verkaufsraum repräsentativ ausgestattete Werkstatt im Haus.
Der Bau dieses Hauses wurde als Beispiel antiker Bauweise modellhaft und in allen Details experimentalarchäologisch ausgeführt. Die am Bau beteiligten Fachkräfte zeigten an Ort und Stelle die Bearbeitung der einzelnen Baustoffe (Stein, Holz, Putz…) in antiker Tradition. Daher wurden auch antike Carnuntiner Werkzeuge nachgebildet und beim Bau eingesetzt. Erstmals können damit Aussagen über Bauzeit, Statik, Praxistauglichkeit antiker Werkzeuge, und vor allem auch über die Kosten für einen Bauherrn in römischer Zeit getroffen werden. Jeder einzelne Stein der Außenmauern wurde mit Hand zu antikem Bruchsteinmauerwerk zusammengefügt, bei den Innenwänden kam römische Fachwerktechnik zum Einsatz. Auch die Bearbeitung der Holzteile, vor allem der Dachkonstruktionen, wurde manuell ohne den Einsatz moderner Maschinen in antiker Handwerkstradition durchgeführt. Die Bauphase wurde so zu einer lebendigen Zeitreise, um römische Baukunst und Wohnkultur detailreich und hautnah mitzuerleben.
Alle Räume sind begehbar und zeigen exemplarisch die funktionstüchtige Innenausstattung römischer Wohnhäuser. Die „Befüllung“ der Räume mit nachgebildetem Mobiliar erfolgt schrittweise, da die Vorbilder bei der Grabung nicht freigelegt werden konnten und daher analoge Stücke des frühen 4. Jhdts., welche im Relief (Bsp. Sarkophage) , Malerei oder durch andere Grabungsfunde belegt sind, als Vorbild für die Fertigung der Möbel des Hauses herangezogen werden müssen.
Der Schwerpunkt „Römischer Garten“ wurde um den Bereich „Obstgarten“ erweitert. Er wurde als Idealrekonstruktion wiederhergestellt; d. h. er zeigt, wie ein römischer Garten in Pannonien aussehen konnte. Gartenplan und die ausgewählten Pflanzen entsprechen damaligen Gepflogenheiten und Vorlieben, soweit sie uns durch archäologische Befunde, literarische Hinweise und bildliche Darstellungen bekannt sind.