Gräberstraße

Entlang der großen Ausfallsstraßen gedachte man im antiken Carnuntum der Verstorbenen. Die Grabmäler waren zum Teil prächtig geschmückt und erzählten die Lebensgeschichte der Toten.Manche Gräber wurden vielleicht nur durch einen kleinen Erdhaufen gekennzeichnet. Häufig wurden die Grablegen zumindest von einer Mauer eingefasst. Aufwändiger und kostspieliger waren Grabbauten, die über den Gräbern in Form von so genannten Grabaltären, Pfeilerdenkmälern oder Kapellen errichtet wurden.


Die Gräber an der so genannten Gräberstraße geben uns einen Einblick in die von der Mitte des 1. bis in das 2. Jahrhundert n. Chr. auf dem Gelände des vom Militär verwalteten Territoriums von Carnuntum ausgeübten Bestattungsbräuche. Zu den in dieser Zeit üblichen Brandbestattungen, die sich in Urnen- und Brandschüttungsgräbern manifestieren, treten auch busta, bei denen der Tote nicht auf einem allgemeinen Verbrennungsplatz, sondern direkt über der Bestattungsgrube eingeäschert wurde. Die Urnen wurden mit oder ohne Beigaben im allgemeinen in ausgehobenen Gruben bestattet. Auffallend war die bei jüngeren Grabungen gemachte Beobachtung, dass es schon in der frühen Kaiserzeit häufiger Körperbestattungen gegeben hat, als bisher angenommen wurde. Nach den Bestattungen wurde das Grab häufig durch Stelen gekennzeichnet. Ein Teil dieser Stelen wurde in lokalen Werkstätten aus dem im Leithagebirge anstehenden Kalkstein gefertigt. Andere wurden vielleicht aus Holz hergestellt und sind daher nicht erhalten.  Eine für Carnuntum besonders typische Form des Grabbaues, die wohl von den Soldaten aus Italien mitgebracht wurde, war der tumulus, der aus einer hohen gemörtelten Ringmauer bestand und dessen Innenraum kegelförmig mit Erde aufgefüllt wurde.


In dem zwischen Auxiliarkastell und Gräberstraße liegenden Gebiet wurden die Gräber zu Beginn des 2. Jahrhunderts aufgegeben. Dabei wurden die Grabbauten häufig bis an die Unterkante des Fundamentmauerwerkes abgetragen, die Grabstelen aber sorgfältig umgelegt und in flachen Erdgruben bestattet. Diese Maßnahmen sind wohl in Zusammenhang mit dem in spättrajanischer oder frühhadrianischer Zeit erfolgten Neubau des Kastells zu sehen. In anderen Abschnitten der Gräberstraße konnte hingegen beobachtet werden, dass es nach der Demolierung der frühen Grabanlagen auch in späterer Zeit zu neuerlichen Bestattungen gekommen war.