Tempelbezirk am Pfaffenberg

Ein besonderer Schatz ist leider für immer verloren. Wo sich heute der Steinbruch in Bad Deutsch-Altenburg befindet, thronte in römischer Zeit eines der wenigen Bergheiligtümer mit einem Tempelbezirk samt kultischem Amphitheater nördlich der Alpen.


Der Pfaffenberg von Hainburg/Bad Deutsch-Altenburg spielte bei der Gründung der römischen Stadt Carnuntum sogleich die Rolle eines Götterberges. Das entsprach den Regeln antiker Urbanisation und man folgte dabei in Carnuntum getreu dem Vorbild Roms, wo auf dem mons Capitolinus der Tempelbezirk für Iuppiter Optimus Maximus errichtet worden war. Hoch über dem Stromufer erhielt nun Iuppiter seinen Sitz als Schützer der Reichsgrenze und der neuen großen Militär- und Verwaltungsbasis Roms am Donaulimes.


Der Ausbau des Pfaffenberges zu einem Tempelberg begann mit der Gründung der römischen Militärstadt und des Legionslagers um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. Der Name des Berges lautete wahrscheinlich mons Iovis oder mons Karnuntinus.


Der Tempelbezirk wurde durch umfangreiche Ausgrabungen wissenschaftlich erschlossen. Es ist der größte dieser Art, den wir in den pannonischen Provinzen überhaupt kennen. Tausende von Fundstücken – Inschriften, rundplastische Skulpturen, Reliefbasen, Weihaltäre, Werkstücke der Architektur, Kultgeschirr u.v.m. – lassen trotz starker Zerstörungsvorgänge eine verhältnismäßig genaue Rekonstruktion der Gebäude und des Kultes zu. Bereits im 1. und 2. Jhdt. n. Chr. wurden nach dem römischen Vorbild zwei Iuppitertempel, Kaiser- und Iuppitersäulen errichtet. Die im Heiligtum zur Aufstellung gebrachten Weihaltäre und Monumente waren ausnahmslos den Staatsgöttern Iuppiter Optimus Maximus und Victoria geweiht. Auf diese Weise wurden mit Hilfe von Religion und Kult an der nördlichen Reichsgrenze spiegelbildlich zur Hauptstadt Rom die politischen Zielsetzungen zur Schau gestellt.