Die Inventarisierung der Altbestände und Neuzuänge mit dem Inventariserungssystem TMS
Weit über 1800 Gemmen und Kameen sind im Bereich von Carnuntum gefunden worden, von denen rund 1400 Stück in einer im Jahre 2005 erschienen Monographie wissenschaftlich publiziert worden sind (Günther Dembski, Die antiken Gemmen und Kameen aus Carnuntum). Der größte Bestand davon war schon damals im Besitz des Museums Carnuntinum. Seither war es dem Museum gelungen, die umfangreichste – schon in der erwähnten Publikation erfasst gewesenen – Privatsammlung derartiger Stücke zu erwerben. Aber auch kleinere in Privathänden befindliche Kollektionen mit mehr als 250 Objekten (Abb. 1, 2) konnten in jüngster Zeit angekauft werden.
Zu Beginn des Jahres 2010 konnte mit den Vorarbeiten an der wissenschaftlichen Erfassung des neuen Materials begonnen werden. Schließlich wurde in Zusammenarbeit mit dem Direktor des Carnuntiner Museums, Herrn Mag. Franz Humer und der für das Inventarisierungssystem TMS (The Museum System) Verantwortlichen – Frau MMag. Katharina Szlezak – eine extra für diese Objekte passende Eingabemaske erarbeitet und mit der Eingabe am Computer in der Kulturfabrik Hainburg begonnen.
Zunächst wurde der bereits publizierte Altbestand eingegeben. Dabei wurde der in der Publikation vorgelegene Text wesentlich erweitert, die erforderlichen Zusatzangaben ausgearbeitet, sämtliche Objekte neu mit einer elektronischen Schiebelehre vermessen und von jeder Gemme ein Abdruck in einer besonders fein zeichnenden Abdruckmasse (Flexitime) hergestellt (Abb. 3). Bei in Ringen, Ohrschmuck o.ä. gefassten Stücken wurden in einem Erweiterungsprogramm der TMS – Grundmaske auch deren Beschreibung samt den Abmessungen erfasst.
Alle Stücke wurden sowohl im Original als auch im Abdruck und wenn gefasst dazu noch mit der Fassung mit einer hochauflösenden makrogeeigneten Digitalkamera mehrmals unter verschiedenen Beleuchtungswinkeln fotografiert. Die Bilder wurden mit einer Spezialsoftware auf einem PC bearbeitet und nach deren Fertigstellung von Hainburg auf die zentrale Datenbank des Landes Niederösterreich gelegt, von wo sie von Fr. Szlezak den jeweiligen Texterfassungen zugeordnet worden sind.
Diese Erfassungsarbeiten sind inzwischen so gut wie abgeschlossen, sodass der nächste Schritt getan werden kann: die Neuerwerbungen werden zusammen mit den seit 2005 – dem Erscheinen der Gesamtpublikation – im Carnuntiner Bereich gefundenen aber im Privatbesitz verbliebenen Glyptikstücken zu einer Nachtragspublikation zusammengestellt und das Manuskript zum Druck gegeben.
Erwähnt werden darf auch, dass sozusagen als „Nebenprodukt“ bei dieser Inventarisierungsarbeit ein kleines mit den Texten eher populär gehaltenes Büchlein herausgebracht werden konnte, in dem besonders schöne Gemmen und Kameen (Abb. 4–5) aus Carnuntum in Farbabbildungen gezeigt werden. Die broschürenartige Publikation mit dem Titel: „Edle Steine – schöne Bilder. Römische Gemmen und Kameen aus Carnuntum“ ist 2011 erschienen und hat im breiten Publikum großes Interesse erweckt. In ihr konnte wie auch im wissenschaftlichen Katalog (2005) auf das für die römischen Provinzen einmalige Phänomen hingewiesen werden, das die Zahl, die Qualität und die Themen der Carnuntiner Fundgemmen betrifft. In keiner Provinzhauptstadt des Imperium Romanum wurden auch nur annähernd so viele glyptische Belege gefunden wie in Carnuntum – womit sowohl wirtschaftspolitische als auch die militärische Wichtigkeit dieser Stadt an der Nordgrenze des Römerreiches besonders deutlich gemacht wird.
Günther Dembski
