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Die Fundbearbeitung und ihre Aufgaben

Am Beginn des 21. Jahrhunderts wurde nach eingehender Planung ein neues, mehrjähriges sehr ambitioniertes Projekt gestartet. Grabungen auf dem Terrain des antiken Stadtviertels von Carnuntum sowie im Amphitheater der Lagerstadt wurden vorbereitet und durchgeführt. Aufgrund dieser, teilweise parallel laufenden Untersuchungen kamen hunderttausende neue Artefakte ans Tageslicht.

Funde lassen Geschichte lebendig werden und liefern dem Wissenschaftler wichtige Informationen für die Interpretation und die Datierung von Befunden. Ein sorgfältiger Umgang mit ihnen vom dem Moment an, in dem sie dem Boden entnommen werden, ist unerlässlich. Die Gegenstände werden auf der Grabung in vorbereitete und mit einem Zettel versehene Kisten gelegt. Sog. „Fundzettel“ beinhalten genaue Informationen zum Fundplatz (Katastralgemeinde, Parzellennummer, Schichtnummer, Datum, Quadrant, Schicht, Beschreibung der Schicht und Tiefe) sowie eine Nummer, die das Konvolut unverwechselbar macht. Sobald die Untersuchungen im betreffenden Bereich abgeschlossen sind, bzw. die Kiste kein neues Material mehr aufnehmen kann, wird sie ins „Scherbenzelt“ transportiert.

Im nächsten Arbeitsschritt wird der größte Teil der Funde (Keramik, Stein, Knochen, ...) vor Ort gereinigt, also mit Wasser und Bürsten von Schmutz und Erde befreit (Abb. 1). Ausgenommen sind Metallobjekte, Glas, Verputzreste mit erhaltener Wandmalerei und ähnliche sensible Materialgruppen, die in der Folge allenfalls einem Restaurator zur Weiterbehandlung übergeben werden (Abb. 2).

Die nassen Stücke werden auf Gittern aufgelegt (Abb. 3). Sind die Funde durchgetrocknet – und dieser Prozess kann mehrere Tage dauern, etwa bei Tierknochen und Dachziegeln – beginnen die Archäologen mit der EDV-mäßige Erfassung jedes einzelnen Artefaktes. Dabei wird ein Fundjournal in einer Datenbank erstellt, das neben der Stückzahl und der Benennung der Objekte auch vorläufige Datierungsangaben enthält. Im Anschluss daran werden die Fundstücke verpackt, ein ausgedruckter Zettel mit den Inventarnummern, dem Fundort und der Bezeichnung der Materialgruppe wird beigefügt. Ein wesentlicher Schritt, die Sichtung und Inventarisierung des Fundstoffs ist abgeschlossen.

Nun werden die einzelnen Materialgruppen bzw. Objekte genauer unter die Lupe genommen, die wissenschaftliche Auswertung beginnt. Nach erfolgter genauer Dokumentation (Angaben zu Material, Größe, Erhaltungszustand, Typologie, Dekor und dgl.) erstellen die Fachleute maßstabsgetreue Zeichnungen, Fotos, Abformungen (Abb. 4), arbeiten an der Erstellung von Typenkataloge sowie Rekonstruktionen und suchen nach dem Ursprung, nach Vergleichsstücken und der möglichen zeitlichen Bestimmung des Fundes.

Bei der Interpretation der Bodenfunde erhält man unter Einbeziehung naturwissenschaftlicher Disziplinen – Archäobotanik, Archäozoologie, Antropologie – Informationen und Einblicke in alltägliche Lebensgewohnheiten, antike Bautechniken sowie soziale- und wirtschaftsgeschichtliche Strukturen.

Die Ergebnisse der Bearbeitung werden in Form von Grabungs- und Fundberichten in Fachpublikationen vorgelegt und im Rahmen von Ausstellungen direkt den interessierten Besuchern präsentiert.