Für die Ausstellung „Legionsadler und Druidenstab“ (2006 - 2007) im Archäologischen Museum Carnuntinum wurde eigens die Marschausrüstung eines Legionärs sowie ein Feldzeichen (Legionsadler) in Originalgröße nachgebildet (Lit.: F. Humer, Legionsadler und Druidenstab, Katalogband, Seite 97 – 98).
Um zu veranschaulichen, wie viele einzelne Arbeitsschritte notwendig sind, um derartige Rekonstruktionen entstehen zu lassen, soll hier der Herstellungsablauf am Beispiel des Feldzeichens (Legionsadler) erklärt und durch zahlreiche Abbildungen anschaulich dargestellt werden. Die Arbeiten wurden von einem Expertenteam ausgeführt, das über teils sehr spezielle Fachkenntnisse, großes handwerkliches Können und jahrzehntelange Erfahrung verfügt.
Die Grundlage für die Nachbildung des Legionsadlers als Feldzeichens bilden antike Quellenstudien. Originale Bestandteile des Aquilas haben die Jahrhunderte nicht überdauert. Daher müssen wir auf Münzdarstellungen sowie Steinreliefs, die den Adler in unterschiedlichen Posen mit Donnerkeil und Blitzen, bisweilen auch mit einem Kranz zeigen, zurückgreifen.
Beschreibung über die Herstellung eines Legionsadlers
Der Körper wird mit Holzformen und Formeisen hergestellt, auf Sandkissen und Kittstöcken mit weichem Kitt geformt und bearbeitet.
Die beiden Rumpfteile werden zusammengefügt und gelötet, die Nähte verputzt und poliert. Der hieraus entstandene Korpus wird mit Ziselierkitt aufgefüllt.
Der Kitt wird erhitzt und im flüssigen Zustand eingegossen. Nach dem Erkalten des Kitts kann das Federkleid ziseliert werden.
Die Zuschnitte für die Flügel werden nach dem Vorschroten der Federn auf dem Treibkitt aufgeklebt. Das geschieht, indem der Kitt erwärmt wird und das Silberblech auf den zähflüssigen Treibkitt aufgelegt und beschwert wird.
Nach dem Erkalten werden die Federn der Adlerschwingen bearbeitet und ziseliert.
Der Schnabel und die Krallen sind in Wachs modelliert und dann im Wachsausschmelzverfahren gegossen.
Sie werden überarbeitet, in Korpus und Kopf eingepasst und eingelötet.
Die Beinstücke und Krallen sind mit dem Körper fest verlötet. Die Schwingen, der Kopf und der Eichenkranz sind montierte Teile.
Bei den Blättern für den Kranz wird nur ein Blatt ziseliert. Dieses Blatt wird abgeformt und ebenfalls im Wachsausschmelzverfahren gegossen / vervielfacht.
Die Blätter werden angeordnet und auf einem Silberbblechstreifen aufgelötet, dann zu einem Kranz geformt und an den Adlerschwingen montiert
Das Blitzbündel ist mit dem Mittelteil und den seitlichen Blitzen verlötet. Der Adler ist mit dem Mittelteil fest auf dem Sockel montiert.
Auch der Sockel besteht aus mehreren Teilen.
Nach dem rohen Zusammenbau wird der Adler wieder in seine Teile zerlegt.
Sämtliche Teile werden geschliffen und poliert, dann vergoldet und schließlich wieder zusammengebaut.
Der Lanzenschuh ist eine Messingspitze, die verzinnt ist.
Material: Silber, teilweise vergoldet, Holzschaft mit eisernem Lanzenschuh
Maße: H 50 cm (vom Donnerkeil bis zu den Flügelspitzen)
Rekonstruktion: Konzeption Dr. Marcus Junkelmann, Ausführung Dieter Krompholz (Gürtler) und Horst Schubert (Zisseleur)